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Steile Karriere: André Theiß leitet beim Luftfahrtunternehmen N3 in Arnstadt ein Team von 170 Mitarbeitern
Credit: Sandro Jödicke

Neu-Thüringer

Karriere gesucht, Heimat gefunden

1Arnstadt
Aufsteigen statt Abheben

Ein Hunsrücker findet in Thüringen seinen Traumjob

Er wollte früh den Himmel erobern. Wie viele Kinder. Doch André Theiß ist einer, der am Ball bleibt. Der gebürtige Hunsrücker aus Idar-Oberstein, der heute eine Führungsposition beim Luftfahrtunternehmen N3 im thüringischen Arnstadt innehat, beginnt schon als Jugendlicher mit dem Segelfliegen: „In unserer Region lagen mehrere Luftwaffenstützpunkte und ein großer Truppenübungsplatz. Da gab es immer viel Flugbewegung am Himmel. Klar, dass ich da als Kind Pilot werden wollte.“ Als Zeitsoldat geht er – konsequenterweise – zu den Heeresfliegern. Die Ausbildung zum Fluggerätmechaniker, die er bei der Bundeswehr absolviert, bringt ihn zwar nicht ins Cockpit. Doch dafür gehört André Theiß vor elf Jahren zu den ersten Mitarbeitern, die beim frisch gegründeten Luftfahrtunternehmen N3 eingestellt werden.

Für den Flugzeugfan Theiß ist das ein Traumjob. Und statt abzuheben, steigt er bald auf, leitet heute 170 Mitarbeiter an. „Von Beginn an bei einem solchen Projekt dabei zu sein und mit ihm zu wachsen, ist ein tolles Gefühl“, sagt der 36-Jährige. Und fügt hinzu, dass er überzeugt davon sei, dass seine berufliche Entwicklung sich langsamer entwickelt hätte, wenn er sich damals nicht für N3 und damit für Thüringen entschieden hätte. „Zu der Rolle, die ich mittlerweile innehabe, gehört auch eine gewisse Demut“, betont Theiß. „Ich bin mir bewusst, dass ich schon etwas Glück hatte. Denn ich war einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“

Credit: Sandro Jödicke

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Der Betrieb in Arnstadt – eine Herzkammer der Flugsicherheit

André Theiß bekleidet bei N3 Engine Overhaul Services, wo seit 2007 annähernd 1000 Flugzeug-Triebwerke geprüft und überholt worden sind, eine äußerst verantwortungsvolle Position. Als Head of Component Repair und interner Trainer im Qualitätsmanagement schult er die Techniker, die dafür sorgen, dass Flugmotoren verlässlich arbeiten: „Ein ganz wichtiges Element in einem Luftfahrtbetrieb wie dem unseren ist die Sicherheitskultur“, erklärt Theiß, „sie ist das höchste Gut, und sie gilt es, kontinuierlich hochzuhalten und einzufordern.“ Es ist die Arbeit in der Herzkammer der Flugsicherheit.

Im Bereich Component Repair arbeiten allein 170 Angestellte für das Gemeinschaftsunternehmen von Lufthansa Technik AG und Rolls-Royce – neben Triebwerkstechnikern auch viele Spezialisten aus dem Handwerk und der Industrie, zum Beispiel Schweißer, Zerspaner, Rissprüfer und Anlagenmechaniker. Theiß: „Gerade für meine Abteilung suchen wir ganz gezielt Fachleute aus anderen Berufen.“ Bei dem erfahrenen Techniker, der zuvor sieben Jahre lang als Teamleiter in der Werkshalle tätig war, sind zudem Empathie und Kommunikationsgabe gefragt. Er muss Kollegen bewerten, unterstützen und fördern, mit denen er noch gemeinsam geschraubt hat: „Dazu gehört auch eine vernünftige Fehlerkultur.“

„Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort“

Während ihn seine Führungsaufgabe täglich vor neue spannende Herausforderungen stellt, hat der Rheinland-Pfälzer André Theiß in Erfurt ein neues Zuhause gefunden. Mit seiner Frau hat er lange im Zentrum gelebt – mit dem Dom direkt vor der Haustür. („Schöner geht es im Grunde nicht.“) Dem kleinen Sohn zuliebe ist die Familie nun an den grünen Stadtrand gezogen: „Ganz aus Erfurt wegzuziehen, kam für uns aber nie infrage.“

Wenn sich André Theiß in ein Flugzeug setzt, beruhigt es ihn zu wissen: Ich kenne das Triebwerk ganz genau, das mich da gerade befördert. „Wenn man in diesem Geschäft ist“, sagt er lächelnd, „lässt sich das über das Flugzeugkennzeichen herausfinden.“ Das hat er dann auch gemacht, als er mit seiner heutigen Frau in einem Airbus der Lufthansa nach New York aufbrach – um dort zu heiraten. Der Airbus-Motor war tatsächlich durch seine Halle gegangen. Über diesen „schönen Zufall“ bei seiner Hochzeitsreise freut sich André Theiß. Weil er wieder einmal zur richtigen Zeit am richtigen Ort war.

Sachlichkeit und Poesie verbinden: Kahla-Designerin Lisa Keller
Credit: Welt24 GmbH/Madlen Krippendorf

2Kahla
Die Cup-Siegerin

Design to go aus Thüringen: ein revolutionärer Kaffeebecher

Im Sommer nimmt sie oft das Fahrrad. Und auf der Fahrt von ihrer Jenaer Wohnung ins 20 Kilometer entfernte Kahla kann es passieren, dass sie spontan anhält, um Gräser oder Blumen zu pflücken. „Ich gehe raus und finde ein ganzes Universum vor“, schwärmt Lisa Keller über ihre Wahlheimat Thüringen. Seit 2013 arbeitet die in Berlin ausgebildete Produktdesignerin für das Traditionsunternehmen Kahla Porzellan.

Und in dieser Zeit hat die 32-Jährige mit vielen Entwürfen dazu beigetragen, die seit 1844 bestehende Marke auf der Höhe der Zeit zu halten. „Ich mag Dinge, die ruhig sind und doch etwas erzählen, die Sachlichkeit verkörpern, aber mit Poesie“, umschreibt sie ihre Design-Philosophie. Das sieht man beispielsweise an den Porzellanserien „Fable Fleur“ und „Wildblume“ – mit zart-verspielten Dekors, die vom Radeln im Grünen inspiriert sein könnten. Neben der Natur hat die gebürtige Hanseatin die kurzen Wege und das reiche kulturelle Angebot der Universitätsstadt Jena schätzen gelernt.

Ein To-go-Becher, der bleiben soll

Dass ökologisches Bewusstsein auch cool sein kann, hat Lisa Keller mit ihrem bislang bekanntesten Produkt bewiesen – dem Cupit. Es ist ein Becher aus Porzellan – und ein formschönes Statement gegen den Coffee-to-go-Einwegbecher: „Ich möchte Dinge schaffen, deren Form und Funktion auf langjährige Anwendung angelegt sind.“ Das ist ihr eindrucksvoll gelungen: Der in verschiedenen Größen und Farben erhältliche Becher, ausgestattet mit einer Silikon-Griffpartie, ist bereits mit mehreren Design- wie auch Umweltpreisen ausgezeichnet worden. Die Varianten sind geeignet für Tee, Kaffee oder Smoothies, aber auch für die Suppe in der Mittagspause.

Die Innovation liegt voll im Trend: Immer mehr Verbraucher sind bereit, die Wegwerf-Mentalität, die nach Schätzungen in Deutschland stündlich nach wie vor rund 300.000 kurzlebige Papier- oder Plastikbecher produziert, zu durchbrechen. Eine wiederbenutzbare Tasse mit Verschluss hilft dabei. Etliche Coffeeshops und Restaurants bieten inzwischen Rabatte an, wenn der Kunde das eigene Gefäß mitbringt. Lisa Keller hat ihren Cupit jedoch nicht nur für mobile Großstädter mit grünem Gewissen konzipiert: „Ich wollte unbedingt einen Becher machen, der auch als normaler Behälter funktioniert, ohne Deckel.“ Die erweiterte Cupit-Kollektion soll auch in der Küche oder im Wohnzimmer einen Stil-Akzent setzen, und sie erinnert an Designklassiker aus Skandinavien. „Mir gefällt das Klare und Aufgeräumte am nordischen Design. Du kommst zu jemandem nach Hause, und es ist immer schön – und wirkt dabei natürlich“, sagt Lisa Keller, die während ihres Studiums an der Berliner Universität der Künste auch ein Gastsemester an der Aalto-Universität in Helsinki absolviert hat.

Credit: Welt24 GmbH/Madlen Krippendorf

Credit: Welt24 GmbH/Madlen Krippendorf

Credit: Welt24 GmbH/Madlen Krippendorf

Credit: Welt24 GmbH/Madlen Krippendorf

Die Hanseatin Lisa Keller schwärmt für Jena

„Ich habe früh gespürt, wie stark ich mich für die Themen Kochen, Küche und Tischkultur interessiere“, erzählt Keller. Während eines längeren Frankreich-Trips nach dem Abitur sei ihr bewusst geworden, dass ihr offenbar „die Verbindung von gestalterischem und funktionalem Denken“ liege. In ihrer Dozentin Barbara Schmidt, der jahrelang prägenden Designerin beim Unternehmen Kahla, findet sie eine starke Mentorin. Schmidt lockt Keller nach dem Studienabschluss zum Porzellanhersteller, inzwischen ist sie dort zur Senior-Designerin aufgestiegen. In dieser Position möchte sie das fortführen, was Barbara Schmidt vor zwei Jahrzehnten begonnen hat: die erfolgreiche Neupositionierung der Traditionsmarke Kahla („Porzellan für die Sinne“), die heute für Innovation, Multifunktionalität und zeitlose, vielseitig einsetzbare Entwürfe steht.

Hinrich Schmoch genießt den Herbst in seinem Erfurter P(r)achtgarten
Credit: Sandro Jödicke/Filmproduktion24

3Creuzburg
Grüner Weitblick

Ein nachhaltiger Mensch – beruflich und privat

Seine offizielle Arbeitsbezeichnung ist „Energieoptimierer“. Hinrich Schmoch versteht das Wort ganz handfest: Als Mitarbeiter des Sägewerks Pollmeier im thüringischen Creuzburg ist er dafür verantwortlich, die Abläufe bei der Weiterverarbeitung von heimischem Buchenholz umweltschonender und effizienter zu gestalten. Zugleich kümmert sich der 31-Jährige um das Wohlbefinden von 400 Kollegen des Unternehmens, das an drei Standorten Europas größtes Laubholzsägewerk betreibt. In Creuzburg zählt zum Firmengelände beispielsweise ein drei Hektar großer Park, der in den Arbeitspausen genutzt werden kann. Seine eigene Grünanlage betreibt Hinrich Schmoch im 80 Kilometer entfernten Erfurt, wo der aus dem Siegerland stammende gelernte Elektrotechniker ein neues Zuhause gefunden hat – samt einem Kleingarten inmitten der Landeshauptstadt.

Ein grünes Refugium mitten in Erfurt

„Als ich das erste Mal nach Thüringen kam, war ich erstaunt über die ganzen grünen Flächen bis zum Horizont – und dort sieht man vielleicht mal eine Burg. Das ist alles. Hier gibt es Räume, etwas zu erschaffen“, schwärmt Hinrich Schmoch, ein Mensch, der gern gestaltet und eigene Ideen umsetzt. In seiner Viertagewoche nutzt er Fahrgemeinschaften für den Weg zur Arbeit nach Creuzburg. Einen großen Teil seiner Freizeit verbringt er damit, aus einer ziemlich verwilderten Parzelle in der Anlage „Am Petersberg“ im Erfurter Stadtteil Brühl einen Nutzgarten zu machen – was er im eigenen Web-Blog (www.meinprachtgarten.de) dokumentiert. Dazu gehören viele Obstbäume und größtmögliche Vielfalt, natürliche Kreisläufe und ökologische Wachsamkeit („Ich warte an manchen Stellen ab, welche Pflanzen sich ansiedeln.“). Es ist eine Einstellung ganz wie in seinem Beruf als Nachhaltigkeits-Verantwortlicher, den sich wie sein Arbeitgeber Pollmeier immer mehr Betriebe leisten: „Ich genieße es sehr, dass ich im Betrieb jedes Thema, an das ich gesetzt werde, auf meine Weise ausgestalten kann.“

Credit: Sandro Jödicke/Filmproduktion24

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Credit: Sandro Jödicke/Filmproduktion24

Credit: Sandro Jödicke/Filmproduktion24

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Vorteil Thüringen: weniger Ausgaben, mehr Lebensqualität

Hinrich Schmoch, der sich im Studium in Aachen und Freiburg auf Energietechnik spezialisiert hat, zieht zunächst aus privaten Gründen in den Freistaat – der Freundin zuliebe. Er lebt sich jedoch schnell ein und schätzt die guten beruflichen Perspektiven – bei Lebenshaltungskosten und einer Wohnqualität, die er zuvor bei einem Job in München vermisst hat. Ein Natur-Refugium mitten in der Stadt? In anderen Städten aussichtslos – oder man wartet jahrelang auf eine Kleingarten-Parzelle. In Erfurt ist gleich die erste Anfrage erfolgreich.

Schmoch: „Es wird viel über die Life-Work-Balance geredet. Für mich sind es drei Säulen: Arbeit, Sozialleben und die Zeit, die man für sich hat. Mein Garten hat mich ausgeglichener gemacht, auf jeden Fall.“ Nach nunmehr drei Jahren sind ihm seine Arbeitskollegen, die Erfurter und seine Garten-Nachbarn ans Herz gewachsen: „Die Thüringer sind bodenständige, ehrliche und direkte Menschen, die ihr Licht manchmal nur zu sehr unter den Scheffel stellen. Etwas mehr Selbstbewusstsein könnten sie sich ohne Weiteres leisten.“

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