Augenblicke werden zu ewigen Erinnerungen. Kindheitserinnerungen prägen das Leben - die guten und die schlechten. Welche davon überwiegen, können Eltern beeinflussen. Nicht alle Abenteuer wählt man aus freien Stücken, doch alle gemeinsam bestandenen schweißen die Familie zusammen. Solche Erfahrungen sind Teil der Familiengeschichte, so wichtig wie Blutsbande.

Kopf, Herz, Fantasie und Körperkraft sind gefragt, um diese zehn prägenden Abenteuer zu bestehen.

"Wenn deine Kinder klein sind, gib ihnen Wurzeln: wenn sie groß sind, gib ihnen Flügel."

Johann Wolfgang von Goethe

1Nachtwanderung:mutig durch die Dunkelheit

Geräusche und Gerüche sind in der Nacht besonders intensiv, alle Sinne sind geschärft. Die Fantasie geht unter dem Sternenzelt eigene Wege. Werwölfe, Bären, Trolle, Feen - alles, was in Kinder- und Jugendbüchern möglich ist, erwacht auf einer Nachwanderung zum Leben. Dann wird die Hand von Mama und Papa noch ein bisschen fester gepackt, wenn der große Bruder unterwegs eine gruselige Geschichte erzählt. Aus Angst wird Stolz auf den eigenen Mut, wenn man später wieder zuhause im kuscheligen Bett liegt.

2Übernachtung im Zelt:Freiheit, Abenteuer und Mückenstiche

Ein Bär brummt, Fledermäuse schwirren um das Zelt, ein Wasserfall rauscht – oder war das doch nur Papas Schnarchen aus dem Schlafsack nebenan, eine Schwalbe auf Beutezug oder der Gartenteich der Nachbarn? Eine Nacht im Zelt ist aufregend, trotz Ameisen, mieser Luft und Stechmücken. Wahrnehmungen einordnen, Sinne schärfen, Grusel erleben - kleinen Kindern beschert eine solche Nacht Gänsehaut und großen Stolz, wenn die Sonne wieder aufgeht. Das ist die beste Vorbereitung für einen großen Campingurlaub mit der Familie und für spätere Sommernächte am Baggersee und Festivals.

Deutschlands beste Campingplätze
3Lagerfeuer machen:eine brenzlige Situation!

Feuer fasziniert Kinder. Dieses Kribbeln, wenn man weiß, das ist brenzlig, gefährlich und eigentlich verboten - diese Aufregung putscht auf. Kein Kind darf alleine mit Feuer spielen, auch in Begleitung Erwachsener darf offenes Feuer nur an sicheren Orten entfacht werden.

Holz schichten, Feuer entfachen, Brotteig rösten - die Größeren zeigen den Jüngeren, wie es geht. Der Lerneffekt ist vielfältig: Feuer muss man hüten, genauso wie das wunderbare Gefühl der Verbundenheit, das im Schein der Flammen zu spüren ist.

Lagerfeuer ist Romantik pur, besonders wenn dazu jemand auf der Gitarre spielt und Stockbrot oder Marshmallows geröstet werden. Keiner muss dann früh ins Bett.

4Hüttentour durchs Gebirge:erschöpft, aber glücklich

Zielfindung, sorgfältige Vorbereitung, Teamarbeit und spontane Entscheidungen in schwierigen Situationen - was nach Managerseminar klingt, ist in diesem Fall eine Hüttentour mit der Familie. Das ist eine strategische Herausforderung mit fester Rollenverteilung: Wer ist der planende Kopf im Vorfeld? Wer hat die beste Orientierung und sagt, wo es langgeht? Wer ist praktisch veranlagt und stellt die Ausrüstung zusammen? Wer sorgt mit Proviant für das leibliche Wohl? Welche Hütten werden angesteuert? Wo können wir mit der Gondel fahren?

Starke Nerven sind nötig, denn eines wird nicht ausbleiben, die Killerfrage: „Wann sind wir endlich da?“ Die Erschöpfung auf langen Etappen, der Mut, in den Sessellift zu springen, wird durch das Gipfelerlebnis und die „Hüttengaudi“ belohnt – und das wird im Gedächtnis hängenbleiben.

Übrigens: Eine Alternative fürs Flachland ist eine Kanu-Tour, die die Familie vor ähnliche Herausforderungen stellt.

Die zehn wichtigsten Tipps für den Hüttenurlaub Die schönsten Kanutouren Deutschlands
5Rollentausch:
Heute bin ich der Boss!

Eine große Herausforderung ist dieser Rollentausch: Das Kind wird für drei Tage der Familien-Boss und muss den Alltag organisieren. Eltern werden nervös: Gebe ich mein Portemonnaie wirklich in diese kleinen Hände? Werden wir morgen etwas zu essen haben, wenn die Kinder für Einkauf und Kochen zuständig sind? Werden wir in Müll und Chaos versinken, wenn keiner aufräumt, abspült, Wäsche wäscht? Einen Versuch ist es wert, denn so lernen die jungen Familienmanager, dass es Mama und Papa auch nicht immer leicht haben mit dem Haushalt und dem ganzen anderen Kram.

Für Notfälle: Nummer vom Pizzadienst bereit halten. Pannen und wie man sie gemeistert hat, bleiben noch stärker im Gedächtnis haften als das, was glatt geht.

„Alle Macht den Kindern“ – Diese Familie hat das Experiment gewagt
6Tierische Verantwortung:Ich will sooo gern ein Haustier!

Kleine Wohnung, Allergien, wenig Zeit – viele Gründe sprechen gegen ein Haustier, das sich doch alle Kinder so sehr wünschen. Doch nichts ist so überzeugend wie der Praxistest. Im Urlaub den Hamster der Freundin hüten und dessen Käfig reinigen, einmal die Woche einen Hund aus dem Tierheim Gassi führen - das bedeutet Verpflichtung und Verantwortung. Es bietet einen Vorgeschmack darauf, was es bedeutet, ein eigenes Tier zu haben – und ist für manches Kind abschreckend. Auf jeden Fall eine bereichernde Erfahrung, denn Tiere können für Kinder tatsächlich die allerbesten Freunde sein.

7Kletterpark-Challenge: Angst überwinden,einander halten und sich fallen lassen

Ein Abenteuer, das Mut erfordert, bei dem es darum geht, sich zu überwinden, nicht nach unten zu schauen, einander zu vertrauen und sich fallen zu lassen. Für die Kleinen ist es aufregend genug, am Kletterseil eingehakt, von Baumwipfelhöhe hinab zu rutschen. Die Größeren schwingen sich durch Baumkronen und hangeln sich an Steilwänden entlang, wo selbst Profis trainieren. Das Gute daran: Keiner ist ein Angsthase, keiner ein Überflieger – es gibt Pfade mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden.

Nicht selten sind Kinder mutiger als Eltern, denn Loslassen ist gar keine typische Stärke von Müttern und Vätern.

Keine Sorge: Nicht in jedem Fall weckt das bei den Kids die Lust auf extremes Basejumping.

"Starke Kinder halten felsenfest zusammen. Pech und Schwefel die sind gar nichts gegen sie. Ihren Rücken lassen sie sich nicht verbiegen. Starke Kinder die zwingt keiner in die Knie."

Aus dem Lied „Starke Kinder“ von Rolf Zuckowski

Die schönsten Hochseilgärten der Alpen
8Säen und ernten:Ein zartes Pflänzchen wächst heran

Einen Apfelbaum zu pflanzen ist ein schöner Brauch zur Geburt eines Kindes. Zu sehen, wie er wächst, stark wird, blüht und Früchte trägt, ist beruhigend. Säen und ernten ist ein immer wiederkehrendes Motiv. Selbstgezogene Früchte zu ernten, ist ein Erlebnis, das Kindern die Natur und die Lebensmittelkette veranschaulicht.

Kresse-Igel, Sonnenblumen und Kürbisse sind die Favoriten, denn schon bald können Kinder über beeindruckende Ergebnisse ihrer Pflanzaktion staunen.

"Drei Dinge sind uns aus dem Paradies geblieben: die Sterne der Nacht, die Blumen des Tages und die Augen der Kinder."

Dante Alighieri

9Spurensuche:
Wo komme ich her?

Bei Oma heißen die Brötchen Semmeln, in Papas Dorf reden alle so komisch. Das Elternhaus von Opa steht gar nicht mehr.

Spurensuche ist wichtig für die Identität: Wo kommt meine Familie her, was ist dort anders? Immer mehr Menschen haben einen Migrationshintergrund, viele können ihre Heimat gar nicht mehr besuchen. Doch selbst wer innerhalb von Deutschland von München nach Hamburg zieht, oder von einem Dorf der schwäbischen Alb nach Frankfurt, stößt auf kulturelle Unterschiede, lernt andere Traditionen und Dialekte kennen. Noch interessanter wird es, wenn die Heimat der Eltern im Ausland liegt oder Geschwister an verschiedenen Orten geboren wurden.

Dann wird ein Besuch zur Spurensuche in der Familiengeschichte, verbunden mit lebendigem Geschichtsunterricht.

10Bauprojekt:Das haben wir selbst gebaut!

„Zutritt für Erwachsene verboten!“ Kinder, die ein solches Schild anbringen, haben es geschafft. Sie haben ihr eigenes kleines Reich, ihren Rückzugsraum gestaltet. Im besten Fall haben sie ihn sogar selbst gebaut. Dabei ist dann auch die handwerkliche Unterstützung von Papa oder Opa erwünscht. Sei es als Baumhaus, Gartenhütte, Iglu oder Kartonhöhle im Kinderzimmer.

Kaum etwas ist befriedigender, als Bleibendes zu schaffen – und wenn es auch nur für einen Sommer oder wenige schneereiche Wintertage bleibt.

Zehn Wasserrutschen mit Wow-Faktor

Ob mit Looping, besonders steil oder schlicht die höchste Europas: Alles ist möglich. >>>mehr

Die besten Freizeitparks Europas

Diese spektakulären Parks bieten die besten Achterbahnen für Adrenalin-Junkies. >>>mehr

Mitwirkende:

Redaktion & Text: Maria Held / Tanja Zech

Design & Grafik: Elmar Compes

Programmierung: Tanja Gjurceska

Projektsteuerung: Arne Henkes / Gregor Eberhard

Alles, was Eltern bewegt - t-online.de/eltern